Im Mai 2016 erscheint mein neues Buch, "Fallensteller", mit kurzen
Formen, Erzählungen, Novellen. Es geht um Mißtrauen der Sprache
gegenüber, um Undankbarkeit, um einsame Witwer bei einer Zauber-
show, um Hirten im Hochgebirge.

Warum zu einer Zeit, da sich 60 Mio. Menschen, so viele wie noch nie,
auf der Flucht befinden,
andere Geschichten als ihre erzählen? Oder
Geschichten über das politisch brutale, sozial verrohte Europa, das
Grenzzäune errichtet und einem Flüchtigen mit Kind im Arm das Bein
stellt, statt sichere Fluchtwege zu schaffen und für humane Behandlung
der Menschen in Not zu sorgen? Das Kinder beim Ertrinken begleitet,
Charon, dem stillen Fährmann gleich, statt dafür zu sorgen, dass Fähren
sich ihrer annehmen? Die Schlepper verlangen ca. 1000 Euro für einen
Platz auf den maroden Booten, eine Flugreise von Istanbul nach Berlin
kostet ca. 200. Die EU lässt aber Airlines haften und die Kosten der Rück-
reise tragen, wenn Passagieren im Zielland die Einreise verweigert wird.

So viel erinnert an '92, an unsere Flucht nach Deutschland, an Ungewiss-
heiten unterwegs, das Ausgeliefertsein den Grenzbeamten, Fußmärsche,
Angst. Auch Angst in Deutschland, in der eigentlichen Sicherheit, an deren
Rändern es brannte: in Rostock-Lichternhagen wenige Tage nach der Ankunft.

Heute brennt es wieder dort, wo Schutz sein sollte. Und wie damals
verzapfen die gleichen politischen Entscheidungsträger den gleichen
protektionistischen Irrsinn, und es brüllt in der Mitte der versorgte,
besorgte Bürgermob Parolen, die vermuten lassen, man habe den
Geschichtsunterricht auf Jahre hinweg geschwänzt, den Ethikunterricht
nicht verstanden und nicht mal in Reli aufgepasst. Sogar Autoren wollen
das "Nationale" der Literatur schützen, dabei ist nichts weniger schützenswert
als begrenzende Bevormundung der Kunst. Wenn man heute Literatur
sprechen lassen möchte, muss man 1001 Einfluss hören können.

Die einfache Antwort: Es müssen auch andere Geschichten erzählt werden.
Die komplizierte: Was sagt die Flucht der anderen über uns? Wie klingt sie?



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                                            Ich schreibe bei piqd über Bücher:
                                           
                                            Ich möchte bei einer PEGIDA-Demo Hölderlin, Tucholsky und Karl May vorlesen

                                            Meine beste Lesezeit habe ich in der Paketabholschlange der HH-Postfiliale Kaltenkirchener Straße.

                                            Gwyneth Paltrow is here! I don't know why. She's been stealing from me.

                                            Lob der Torheit.

                                            Awe and wonder for the savage and beautiful life around me.